Die Sucht nach Medikamenten ist in Deutschland oft ein Tabuthema und nicht viele Menschen wissen, dass sie eigentlich schon süchtig sind. Im Interview gibt Gesundheitsexperte Christian Riedel die Antworten zu den wichtigsten Fragen über Medikamentensucht.

Wie entsteht die Medikamentensucht?
Christian Riedel: Im Gegensatz zu Drogen ist man sich häufig nicht darüber im Klaren, dass man von Medikamenten schnell süchtig werden kann. Zumal die meisten Präparate ja auch ärztlich verschreiben werden. Man bekommt etwas vom Arzt des Vertrauens verordnet und nimmt natürlich die Medikamente ein. Und um auf Nummer sicher zu gehen, nimmt man sie etwas länger, als unbedingt notwendig wäre. Oder man will sich besonders gut schützen und greift früher oder häufiger zu frei erhältlichen Medikamenten. Schnell bekommt man das Gefühl, ohne ein bestimmtes Präparat nicht mehr gesund sein zu können.

Woran erkennt man, dass man möglicherweise süchtig ist?
Christian Riedel: Erste Anzeichen sind beispielsweise, wenn ein Medikament weniger wirksam ist, als normal oder wenn man die Dosis steigern muss, um den gleichen Effekt zu erzielen. Später kommen die typischen Suchtanzeichen hinzu, also das Verlangen nach einem bestimmten Medikament oder das Gefühl, ohne ein Präparat sich nicht wohl zu fühlen. Dabei kann es problematisch sein, dass die Einnahme ja ärztlich legitimiert ist. Und da die Medikamente auch legal erhältlich sind, ist es für das Umfeld schwer, schon früh die Sucht zu erkennen.

Wer ist gefährdet?
Christian Riedel: Im Grunde genommen jeder, der regelmäßig Medikamente einnimmt. Und das sind nicht wenige. In Deutschland sind rund 1,5 Millionen Fälle von Medikamentensucht bekannt. Die Dunkelziffer liegt noch weit höher. Insofern sollte man in jedem Fall verantwortungsbewusst mit Arzneimitteln umgehen.

Von welchen Medikamenten kann man süchtig werden?
Christian Riedel: Grundsätzlich kann man von fast jedem Medikament süchtig werden. Sogar von Hustensaft oder Nasenspray. Daher sind auch gerade frei erhältliche Medikamente für viele Menschen gefährlich, besonders für Menschen, die ein grundlegendes Suchtpotential haben und schnell zu Medikamenten greifen. Man kann die süchtig machenden Medikamente in 5 Gruppen einteilen: Schmerzmittel, Hustenmittel, Dämpfende Mittel und Schlafmittel, Entspannungs- und Beruhigungsmittel (Tranquilizer) sowie Aufputschmittel.

Wer hilft einem aus der Sucht?
Christian Riedel: Es gibt in Deutschland mehrere Anbieter, die eine Entziehungskur und Folgetherapien anbieten. Dazu gehören beispielsweise Suchtberatungsstellen und Fachkrankenhäuser. Auf keinen Fall sollte man die Sucht selber beenden, indem man von einem Tag auf den anderen aufhört, das entsprechende Medikament zu nehmen. Das kann zu schweren Entzugserscheinungen und großen gesundheitlichen Problemen führen. Auch psychische Probleme können bei einer Medikamentensucht entstehen. Auf dem Weg aus der Medikamentensucht sollte man sich daher auf jeden Fall von einem Fachmann begleiten lassen.

Hier geht´s zum Originalinterview

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Christian Riedel - Diplom Sportwissenschaftler
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